Tattoos & Hochsensibilität: Von Schmerzen, Individualität und persönlicher Bedeutung

Klar ist: Wer sich ein Tattoo stechen lässt, tut es für die Ewigkeit, denn Tattoos lassen sich nicht so leicht entfernen. Aber wie steht es um Tattoos bei Hochsensibilität? Sind sie wegen der Schmerzen ein absolutes No-go, auf das hochsensible Menschen verzichten sollten? Oder erlauben Tätowierungen gerade bei Hochsensibilität auf einzigartige Weise, seine Individualität zu untermalen und eine sehr persönliche, möglicherweise bestärkende Bedeutung dauerhaft festzuhalten? In diesem Beitrag erfährst du es – viel Spaß beim Lesen!

Bedeutung & Gründe für Tattoos: Warum lassen sich so viele tätowieren?

Wer beim sommerlichen Stadtbummel einmal den Blick schweifen lässt, wird feststellen, dass es heute viel, viel, viel mehr tätowierte Menschen gibt als noch vor ein paar Jahren. Was früher als asozial und Knasti-like galt, zeugt inzwischen von Stil, Weltoffenheit und Selbstverwirklichung. Doch obwohl die Toleranz und das Kunstverständnis von Tattoos deutlich gewachsen zu sein scheint, scheiden sich am Thema Tätowierung auch jetzt noch die Geister.

Man mag von Tattoos halten, was man will: So individuell wie die Menschen selbst sind auch Beweggründe für Tattoos. Zudem variieren sie stark nach kultureller, religiöser und familiärer Herkunft. Was für die einen ein riesiges Tabu ist, gilt bei den anderen als schick, hat familiäre bzw. kulturelle Tradition oder entspringt religiösen Ansichten.

Für die meisten erfüllen sie somit nicht nur einen dekorativen Zweck, sondern konservieren eine tiefgreifende Bedeutung, die sie ihr ganzes Leben lang nach außen tragen und sich bei jedem Blick in Erinnerung rufen können.

Ich persönlich würde mir kein Tattoo stechen lassen, nur weil ich es „schön“ finde – für mich steht die Bedeutung an erster Stelle. Entweder habe ich etwas Einschneidendes erlebt, das ich festhalten möchte, ich habe einen bedeutenden Meilenstein in meinem Leben erreicht, der aus meiner Sicht eine ewige Würdigung verdient, oder ich habe das Bedürfnis, einem bestimmten Lebensgefühl, einer Einstellung, einer veränderten Sichtweise oder einem bestärkenden Symbol Ausdruck zu verleihen, um mich immer wieder daran zu erinnern.

Ist die Tattoo-Bedeutung bei Hochsensibilität noch tiefgängiger?

Pauschal lässt sich diese Frage sicherlich nicht beantworten, da auch jeder hochsensible Mensch einzigartig ist. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich aufgrund meiner Hochsensibilität häufig das Bedürfnis habe, meine Gefühle, Erlebnisse und kraftspendenden Elemente zu ankern und für die Ewigkeit zu bewahren. Natürlich klappt das auch ganz wunderbar mit Gesten, Worten, Farben und Gegenständen, aber ein Tattoo geht für mich noch einen großen Schritt weiter. Viele Jahre habe ich mich mit Entscheidungen schwer getan, konnte mich nicht so einfach für oder gegen etwas aussprechen und allein der Gedanke an „eine Entscheidung für die Ewigkeit“ war für mich kaum auszuhalten, obwohl der Wunsch nach lebenslanger Sicherheit dennoch bestand.

Nach und nach habe ich für mich erkannt, wie wichtig Entscheidungen sind, selbst wenn sie sich im Nachhinein als nicht ganz so klug herausstellen. Wer eine Entscheidung trifft, kommt voran; wer keine Entscheidung trifft, bleibt stehen. So einfach ist das. Ich habe an meinen Werten gefeilt, Stellung bezogen und meine Sichtweisen immer mehr gefestigt, ohne an Flexibilität einzubüßen. Irgendwann stand für mich fest: Jetzt möchte ich ein Tattoo, um eine bestimmte Bedeutung dauerhaft auf meiner Haut festzuhalten, sie mir gewissermaßen einzuverleiben und zu einem Teil von mir zu machen.

Von den schlaflosen Nächten vor dem Termin beim Tätowierer muss ich vermutlich nicht explizit berichten … Aber dann war der Tag da und ich war froh, endlich eine Entscheidung fürs Leben treffen zu können. Man könnte sagen, das erste Tattoo hatte nicht nur eine „äußere“ Bedeutung für mich, sondern auch eine psychische: Endlich, endlich, endlich habe ich den Schritt gewagt, eine überdauernde Entscheidung zu treffen, die nicht rückgängig zu machen ist (zumindest nicht so einfach).

Habe ich es bereut?

Oh nein, definitiv nicht! Ich bin überglücklich mit meinem Tattoo und habe mein persönliches Portfolio noch um weitere ergänzt. Und auch ansonsten bin ich viel gelassener geworden. Entscheidungen treffen? Fällt mir inzwischen viel leichter. Permanentes Gedankenkreisen à la ‚hätte, könnte, sollte‘, ‚Was wäre wenn?‘ etc. gehört für mich ebenfalls der Vergangenheit an, wobei das natürlich nicht allein auf den Effekt des Tätowierens zurückzuführen ist, nur um das mal klarzustellen.

Sind die Schmerzen beim Tätowieren für Hochsensible auszuhalten?

Du ahnst es vermutlich: Auch auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Jeder Mensch ist anders, und genauso verhält es sich auch mit seiner Schmerztoleranz. Ich würde mich selbst als sehr schmerzempfindlich bezeichnen, dennoch habe auch ich das Tätowieren überlebt. 😉

Wenn du dir einmal Berichte anderer Tätowierte im Internet durchliest, wirst du feststellen, dass die Beschreibungen von „nur ein leichter Druck“ bis hin zu „wie ein Messer, das mehrfach durch meine Haut gezogen wird“ reichen. Ich kann beides bestätigen, so gern ich auch sagen würde, dass es Pillepalle war und ich es jederzeit wiederholen würde.

Je nach gewählter Körperstelle kann es schon ordentlich weh tun, wenn du dich tätowieren lässt. Die meisten Leute sagen, dass es direkt über dem Knochen am meisten schmerzt, was ich nicht behaupten kann. Die Stelle war bei mir am unempfindlichsten – aber auch da ist schließlich jeder Mensch anders.

Die besten Tipps gegen Schmerzen beim Tätowieren

Wenn du unsicher bist, ob du die Schmerzen beim Tätowieren trotz deiner Hochsensibilität aushältst, kannst du folgende Tipps befolgen.

  • Wichtig ist, dass du dir der möglichen Schmerzen bewusst bist und dich darauf einstellst, allerdings ohne dich verrückt zu machen. Denk immer an das schöne Motiv, das dich erwartet, und sage dir, dass jeder Mensch anders empfindet. Wer weiß, vielleicht gehörst du ja zu denjenigen, die das Tätowieren gar nicht als sooo schmerzhaft empfinden?
  • Achte unbedingt darauf, dass du ausgeruht, erholt und möglichst entspannt zum Tattoo-Termin erscheinst.
  • Genauso wichtig wie Ruhe ist, dass du mit aufgefüllten Energiespeichern zum Tätowieren gehst. Du solltest etwas Vernünftiges gegessen und genug getrunken haben, jedoch auf Alkohol und zu viel Koffein verzichten.
  • Bring dir zum Tattoo-Termin gerne auch Gesellschaft mit, um dich von den Schmerzen ablenken zu lassen, und/oder sorg für ausreichend Beschäftigung. Ein gutes Buch, ein Hörbuch, ein Podcast, ein paar kurzweilige Handyspiele, die persönliche Lieblingsserie oder ein unterhaltsamer Film (und natürlich etwas Schokolade 🙂 ) können beim Tätowieren wahre Wunder bewirken. Für mich war die Kombination aus Handyspielen, Instagram und ein bisschen Schoki das perfekte Ablenkungsmanöver …
  • Als sehr hilfreich erweisen sich auch verschiedene Atemtechniken, die du während des Tätowierens anwenden kannst. Atme zum Beispiel beim Ansetzen der Nadeln langsam tief ein, während du bis 4 zählst, halte beim Zählen von 1 bis 8 den Atem an und atme ebenso langsam wieder aus, wobei du bis 7 zählst. Probier einfach mal ein wenig aus, was dich am besten von den Schmerzen ablenkt.
  • Sinnvoll kann es zudem sein, erst einmal ein kleines Motiv zu wählen, das nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt, um dich sozusagen ans Tätowieren heranzutasten. Möchtest du gern ein größeres Tattoo, ist es evtl. empfehlenswert, das Stechen auf mehrere kürzere Sitzungen aufzusplitten, sofern dein Tätowierer nichts dagegen hat.

Würde ich anderen hochsensiblen Menschen ein Tattoo empfehlen?

Eine Empfehlung für das Tätowieren würde ich natürlich niemals aussprechen, denn so etwas muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn du dich aber fragst, ob ein Tattoo etwas für dich als hochsensible Person ist, würde ich sagen, dass es ganz davon abhängt, wie sehr du eine gewisse Aussage für die Ewigkeit festzuhalten oder deine selbst gesteckten Grenzen überwinden möchtest.

Ich würde niemandem dazu raten, sich ein Tattoo stechen zu lassen, um sich selbst oder anderen etwas zu beweisen – meiner Meinung nach muss der Wunsch danach von innen kommen. Falls du dir nichts sehnlicher wünschst, als diese eine Bedeutung, dieses eine Motiv oder diese eine Erinnerung dauerhaft bei dir zu tragen und sie zu einem unvergänglichen Bestandteil von dir zu machen, kannst du zumindest über ein Tattoo nachdenken.

Lass dir Zeit für die Entscheidung, horch in dich hinein und frage dich immer wieder, wie du ein dauerhaftes Tattoo bei dir selbst finden würdest. Achte auf deine Gedanken und Gefühle, wenn du andere tätowierte Menschen siehst, und handle nicht überstürzt. Informiere dich über deine Möglichkeiten, suche sorgfältig nach einem vertrauenswürdigen Tätowierer und lass dich gut beraten.

Vor der finalen Entscheidung für ein Tattoo solltest du dir mehr als einmal bewusst machen, dass es sich nicht um eine kurzfristige Entscheidung handelt und es weder dir noch jemand anderem etwas bringt, wenn du nur Mut beweisen möchtest – denn das kannst du definitiv auch auf andere Weise, glaub mir.
 
Wie sind deine Erfahrungen mit Tätowierungen? Hast du selbst Tattoos und wenn ja, was bedeuten sie für dich? Bist du glücklich mit deiner Tätowierung oder bereust du es inzwischen? Schreib es gerne in die Kommentare, ich bin sehr gespannt!
Feli Hoffmann Follow Your Dreams
 
 
 
 
 
 

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