Hochsensibilität: Merkmale, Chancen & Tipps für hochsensible Menschen

Lange habe ich mich vor diesem Beitrag gedrückt, doch nun ist die Zeit mehr als reif dafür. Das Thema ‚Hochsensibilität‘ scheint in den letzten Wochen und Monaten immer mehr in den Fokus gerückt zu sein – was mich zum einen freut, zum anderen dazu veranlasst hat, meine geplante Reihe über Hochsensibilität und die Chancen als hochsensibler Mensch endlich in Angriff zu nehmen. In diesem Beitrag erkläre ich, was Hochsensibilität ausmacht, was sogenannte highly sensitive person (HSP) kennzeichnet und wie du selbst mit deiner Hochsensibilität umgehen kannst. Viel Spaß beim Lesen!

Hochsensibilität: Was ist das eigentlich?

Zu laut, zu grell, zu schnell … Zu heiß, zu fest, zu trubelig … Zu viel, zu oft, zu stark … Und überhaupt. Was für die meisten Menschen ganz normal ist, ist für hochsensible Menschen schnell zu viel, eine Reizüberflutung die Folge. Etwa 15-20 % der Menschen weltweit verfügen über eine deutlich stärkere Sinneswahrnehmung und können Reize nicht in dem Maße filtern, wie es andere Menschen tun. Salopp gesagt, stehen ihre Sinneskanäle immer offen, ihre Antennen immer auf Empfang.

Das führt dazu, dass Dinge intensiver wahrgenommen, Erfahrungen intensiver erlebt und Emotionen intensiver gespürt werden. Klar, dies kann in einigen Fällen besonders schön sein und eine umfassende Aufnahme über alle Sinne bewirken. Ebenso klar ist jedoch auch, dass dies die Gefühlswelt – und nicht nur diese – teils ordentlich ins Wanken bringen kann. Schneller als bei anderen sind die Aufnahmekapazitäten erschöpft und eine Reizüberflutung bzw. Überstimulation tritt ein, die individuell ausgeprägt ist und ebenso individuell wieder ausbalanciert werden muss. Rückzug, Ruhe und Schlaf sind nur die wesentlichsten Maßnahmen, die in einem solchen Fall ergriffen werden können.

Wer hochsensibel ist, hat Sätze wie „Jetzt stell dich nicht so an!“, „Mein Gott, du bildest dir immer was ein!“, „Du bist immer so empfindlich!“, „Mach dir nicht ins Hemd!“ oder „Du bist echt eine Spaßbremse!“ schon unzählige Male gehört und sie sich vielleicht sogar (unbewusst) angenommen, weil er schlichtweg nichts von seiner Hochsensibilität wusste …

Der Begriff der Hochsensibilität geht übrigens zurück auf die amerikanische Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Elaine Aron, die sich seit den 90er-Jahren mit dem Phänomen beschäftigt und sehr feinfühlige Menschen erstmals als highly sensitive person (HSP) bezeichnete.

„Symptome“ von Hochsensibilität

Bei der Hochsensibilität handelt es sich keinesfalls um eine Krankheit oder eine psychische Störung. Vielmehr sind bei hochsensiblen Menschen bestimmte Gehirnregionen aktiver als bei normal-sensiblen Menschen, weshalb sie intensiver spüren, fühlen, wahrnehmen. Deshalb handelt es sich streng genommen auch nicht um echte Symptome, sondern eher um bestimmte Ausprägungen und Merkmale, die hochsensible Menschen verstärkt kennzeichnen. Wichtig ist, dass nicht alle Charakteristika auf jeden Hochsensiblen zutreffen. Jeder Mensch ist schließlich einzigartig und weist somit auch ganz unterschiedliche Ausprägungen auf.

Die wichtigsten Kennzeichen bei Hochsensibilität

  • starke Wahrnehmung von inneren & äußeren Reizen (z.B. Gerüche, Geräusche, optische Eindrücke, Geschmäcker sowie erhöhtes Kälte- bzw. Hitzeempfinden, verstärkte Druck- und Schmerzempfindlichkeit
  • erhöhte Wahrnehmung von Gefühlen und Stimmungen anderer
  • Schreckhaftigkeit
  • ausgeprägte Intuition
  • verminderte Stressresistenz
  • schnell das Gefühl von Überforderung und Reizüberflutung
  • gute Konzentrationsfähigkeit
  • starke Emotionen bei Musik, Kunst und/oder Naturschauspielen
  • häufig Wunsch, sich zurückzuziehen
  • starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit
  • hohes Streben nach Harmonie
  • starker Gerechtigkeitssinn
  • hohes Verantwortungsbewusstsein
  • ausgeprägte Empathie
  • gute Zuhörer
  • Zuverlässigkeit, Loyalität
  • intensive Fantasie und Vorstellungskraft, intensive Träume
  • teils stark in sich gekehrt (70 %), teils extrovertiert (30 %)
  • starke Beeinflussung des Wohlbefindens durch Hunger & Durst
  • fühlen sich häufig „anders“, nicht zugehörig
  • oft als schüchtern bezeichnet
  • hohe Kreativität
  • ausgeprägter Sinn für Details
  • schnelle Auffassungsgabe
  • u.v.m.

Besondere Eigenschaften & Stärken bei Hochsensibilität

Beim genauen Blick auf die Charakteristika hochsensibler Menschen fällt auf, dass Hochsensibilität auch viele positive Eigenschaften mit sich bringt. Und ich kann euch versprechen: Wer sich mehr mit seiner eigenen Hochsensibilität auseinandersetzt, wird nach und nach noch viele weitere Vorzüge und Talente entdecken, die schon lange in ihm geschlummert haben und nur darauf warten, endlich genutzt und gelebt zu werden.

Auch bei den Stärken ist jedoch zu betonen, dass nicht alle hochsensiblen Personen die gleichen Eigenschaften besitzen. So einzigartig wie jeder Mensch ist auch die Hochsensibilität ausgeprägt – der eine reagiert besonders auf akustische Reize, der andere eher auf optische Reize, wieder andere nehmen Gerüche stärker wahr und noch andere empfinden permanenten Druck als besonders unangenehm. Ebenso verhält es sich auch mit den positiven Eigenschaften, die hochsensible Menschen auszeichnen: Jeder hat andere Vorzüge und weist eigene Besonderheiten auf. Während der eine sehr emphatisch ist und sich hervorragend in andere Menschen hineinversetzen kann, liegt es dem anderen vielleicht besonders, auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören und seiner Intuition zu folgen.

Ist Hochsensibilität also ein Fluch und ein Segen?

Gewissermaßen ja, wenn man es so will. Unerkannt führt Hochsensibilität oft zu Überforderung, Unverständnis (seitens sich selbst sowie der Umwelt) und nicht selten auch Verzweiflung. Die Betonung liegt hier allerdings auf dem Wörtchen unerkannt: Wer um seine Hochsensibilität weiß, damit umzugehen und sie als Begabung zu schätzen lernt, kann viele Vorteile daraus ziehen, seine feinen Fühler gezielt ausstrecken und ein erfülltes Leben führen.

Was kannst du tun, wenn du hochsensibel bist?

Der 1. Schritt heißt: A K Z E P T A N Z, A N N A H M E und B E W U S S T S E I N

Setze dich mit dem Thema Hochsensibilität auseinander, informiere dich und lerne, dich selbst zu verstehen. Genieße das Gefühl, angekommen zu sein und dich selbst kennenlernen zu dürfen. Akzeptiere, dass du bist, wie du bist, und versuche dich nicht länger zu ändern. Mach dir bewusst, dass deine Hochsensibilität eine echte Chance für dich sein und dir unendlich viele Chancen eröffnen kann, wenn du sie als Begabung schätzen lernst.

An 2. Stelle steht: V E R G L E I C H S S T O P P, B E D Ü R F N I S- und W E R T-C H E C K

Vergleich dich nicht länger mit anderen! Höre auf, Äpfel mit Birnen zu vergleichen oder dich an andere anpassen zu wollen. Du bist, wie du bist, und das ist auch gut so. Wenn andere nachts um die Häuser ziehen, dir das aber nicht gut tut, dann lass es. Finde deine eigenen Werte und frage dich, was dir wirklich wichtig ist. Erkenne deine wahren Bedürfnisse, frage dich, was dir gut tut, und handle entsprechend. Guck nicht nach links und nicht nach rechts, wenn das Verunsicherung schürt. Richte den Blick auf das, was DIR entspricht, und freu dich auf das Ergebnis, das bei dessen Erfüllung auf dich wartet.

Der 3. Schritt lautet: P L A N U N G und R E F L E K T I O N

Wenn du herausgefunden hast, was dir gut tut und was du brauchst, dann plane deinen Alltag danach. Gönn dir Ruhepausen, plane Zeit für dich ein, entschleunige dein Leben, nimm den Druck dort raus, wo es nötig ist, und finde Alternativen zu überreizenden Situationen. Entdecke neue Hobbies, plane Termine noch bewusster und gesteh dir ein gutes Maß an Selbstfürsorge zu, das dir zugutekommt – auch oder gerade wenn es am Anfang sehr ungewohnt sein mag, sich um sich selbst zu kümmern und seinen Bedürfnissen entsprechend zu handeln (vor allem, wenn dies bedeutet, Treffen abzusagen, kürzer zu treten o.Ä.).

Was solltest du NICHT tun, wenn du hochsensibel bist?

Hochsensibilität als A U S R E D E nutzen, dich E I N I G E L N und eine
O P F E R H A L T U N G einnehmen

Es ist wichtig, dass du die Hochsensibilität nicht als Ausrede gegenüber dir selbst oder anderen benutzt. Begib dich nicht in die Opferrolle, isolier dich nicht von anderen und pack dich nicht in Watte (Ich weiß, das klingt hart, aber es ist wichtig, sich das bewusst zu machen!). Eine Einstellung à la „Ich kann das nicht, ich bin schließlich hochsensibel!“ wird dich nicht nach vorne bringen, sondern dich einschränken. Geht es wirklich nicht, lass es; ist es möglich, probier es und lerne im Zweifel daraus. Dann weißt du es eben für das nächste Mal besser. Jede Gelegenheit ist schließlich eine Chance zum Wachsen. Und hat es geklappt, wirst du im Nachhinein umso stolzer auf dich sein – ein unbeschreibliches Gefühl, nicht wahr?

Ein sehr genialer Mensch sagte einmal zu mir:

Die Chance, etwas Großartiges zu gewinnen, ist viel größer als das Risiko, etwas zu verlieren.

Damit ist natürlich nicht gemeint, dass du dich überfordern solltest. Wenn du weißt, dass dich eine bestimmte Situation überfordern bzw. überstimulieren wird, dann versuche sie möglichst zu meiden. Ist das keine Option, gib dir anschließend genügend Zeit und Raum, um dich wieder zu erholen und deine Energiereserven wieder aufzufüllen – auch wenn andere danach noch putzmunter sind.

Denk immer daran:

Du bist du, und nur du weißt genau, was gut für dich ist!


 

Meine Buchtipps zum Thema Hochsensibilität



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Wie steht es um dich? Hast du dich wiedererkannt oder weißt du bereits, dass du hochsensibel bist? Kennst du vielleicht jemanden, der viele Eigenschaften eines hochsensiblen Menschen mitbringt? Wenn ja: Wie gehst du damit um? Schreib es mir gerne in die Kommentare – ich bin wie immer sehr gespannt!

 
Feli Hoffmann Follow Your Dreams
 
 
 

Feli

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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