Viele, die den Begriff ‚Hochsensibilität‘ hören, denken sofort an super empfindliche Menschen, die keinen Spaß verstehen, Fünfe nicht mal gerade sein lassen können und alles viel zu ernst nehmen. Direkt entsteht die Angst, etwas Falsches zu sagen oder falsch rüberzukommen, was dazu führt, dass sie potenziellen Konflikten lieber aus dem Weg gehen und manchmal sogar den Kontakt zu hochsensiblen Menschen meiden. Und all das nur, weil sie nicht wissen, wie sie mit Hochsensiblen umgehen sollen. Wenn du selbst hochsensibel bist oder einen hochsensiblen Menschen kennst, wird dir dieser Beitrag helfen, dein eigenes Verhalten bzw. das Verhalten deines Gegenübers besser einzuordnen und etwaiges Verständnis optimal zu dosieren.

Anders und doch so gleich

Ja, wir sind hochsensibel. Ja, wir sind anders. Das bedeutet aber nicht, dass wir anders behandelt werden wollen. Wie ich schon in den anderen Beiträgen zum Thema Hochsensibilität geschrieben habe, sollte sich niemand, der hochsensibel ist, hinter diesem Etikett verstecken und sich zum Opfer seiner eigenen Hochsensibilität degradieren. Zwar mag die Hochsensibilität nicht immer das Gelbe vom Ei sein, aber sie ist keineswegs ein Freifahrtschein für permanente Ausreden. Wenn wir etwas nicht wollen, sollten wir auch dazu stehen – unabhängig von der Hochsensibilität. Wenn wir etwas nicht können oder uns etwas nicht zutrauen, weil wir hochsensibel sind, dürfen wir das natürlich sagen, müssen es aber nicht – es ändert schließlich nichts an der Tatsache bzw. Konsequenz (außer der Gesprächspartner bringt ansonsten keinerlei Verständnis auf; dann wäre allerdings die Frage, ob derjenige unseren Kontakt überhaupt verdient …)

Sehr lange habe ich niemandem von meiner Hochsensibilität erzählt und auch heute noch binde ich es nicht jedem auf die Nase. Wenn es aus irgendeinem Grund relevant ist oder es einfach zur Sprache kommt, ist es für mich völlig okay, darüber zu reden. Doch jedes Mal schwingt ein wenig Angst mit, dass mein Gegenüber aufgrund meiner Hochsensibilität meint, mich nun anders behandeln zu müssen. Mich mit Samthandschuhen anfassen, bloß keine spitzen Bemerkungen machen, nichts Falsches sagen, nicht anecken, mich nicht nach einem Kinobesuch fragen etc. …

So lieb das auch gemeint ist – es ist völliger Quatsch!

Wir sind schließlich keine Kinder mehr, die behütet und beschützt werden müssen. Bei Kindern sehe ich das vollkommen anders; sie sind noch nicht so weit, dass sie sich und ihr Verhalten reflektieren, ihre Gefühlswelt begreifen und ihr Außen abschirmen können. Sie wissen unter Umständen noch nichts von ihrer Hochsensibilität und sollten definitiv anders behandelt bzw. unterstützt, gefördert und bestärkt werden.

Aber wir erwachsenen Hochsensiblen wollen doch im Prinzip nichts mehr, als genauso „frei“ zu sein wie alle anderen! Wir wollen dazugehören, mitmachen, dabei sein, alles miterleben, Spaß haben, Entdeckungen machen, reisen, leben, lachen …

Wie könnten wir das, wenn uns alle nur noch in Watte packen würden?

Klar, wir müssen unsere Energiereserven öfter wieder auffüllen als andere und brauchen häufiger Pausen, um zur Ruhe zu kommen, uns zu regenerieren und das Erlebte zu verarbeiten.

Aber deswegen sind wir noch lange keine schlechte Gesellschaft, die es zu meiden gilt, oder müssen behandelt werden wie rohe Eier.

Vielmehr ist es wichtig, dass wir ehrlich zueinander sind und unsere Wünsche, Bedürfnisse und Empfindungen respektieren – und zwar auf beiden Seiten.

Die perfekte Basis für einen harmonischen Umgang bei Hochsensibilität

Meiner Meinung nach besteht die Basis für einen harmonischen Umgang von hochsensiblen und nicht-hochsensiblen Menschen aus zwei Komponenten bzw. Aufgaben:

 
1.) Aufgabe als hochsensibler Mensch: Kenne deine Bedürfnisse, erfülle sie und kommuniziere sie, wenn nötig, um deine Energiereserven regelmäßig wieder aufzufüllen. Andersherum solltest du deinem Partner/Freund/Kollegen gegenüber ebenso verständnisvoll sein, wie du es dir von ihm wünschst.

2.) Aufgabe als Partner, Freund oder Bekannter eines Hochsensiblen: Sei so, wie du bist, behandle deinen Gegenüber ganz normal und lass ihm genügend Raum zum Rückzug und die Freiheiten, die er braucht. Wenn es dir zu viel wird oder du nicht sicher bist, wie du auf etwas reagieren sollst, sag es offen und frage lieber nach, anstatt dich wortlos zurückzuziehen oder dich zu verstellen.

 
Wenn ihr euch auf diesem Level begegnet und sich jeder so verhält, wie es seinen Werten und Bedürfnissen entspricht, sollte eurer Partnerschaft, Beziehung, Freundschaft bzw. Zusammenarbeit nichts im Wege stehen.

Ich wünsche euch viel Erfolg!
 
Feli Hoffmann Follow Your Dreams Welche Erfahrungen hast du in der Kommunikation deiner Hochsensibilität gemacht? Oder bist du selbst nicht hochsensibel und stehst mit einem hochsensiblen Menschen in Kontakt? Gab es anfangs Schwierigkeiten, auf einen Nenner zu kommen? Berichte uns gerne in den Kommentaren davon!
 
Feli Hoffmann Follow Your Dreams