Hochsensibel: Mehr als ein Begriff? Die Wahrheit über Hochsensibilität, hochsensible Kindheit & deine Chancen

Beim Begriff Hochsensibilität denken viele sofort an eine neumoderne Wortschöpfung, eine Art Übertreibung. Eine leere Worthülse, eine neue Bezeichnung für ein Phänomen, hinter dem man sich hervorragend verstecken kann. In Zeiten von „vegan“, „laktose- und glutenfrei“ ist diese Reaktion nicht allzu verwunderlich und ebensowenig zu verurteilen. Schließlich hat jeder etwas (mich eingeschlossen), jeder will etwas und überhaupt ist es doch viel praktischer, sich und seinen Lifestyle mit einem Etikett versehen zu können, das einen leichter durch den Alltag bringt. Was provokant klingt, ist keineswegs so gemeint. Es ist nur allzu menschlich, sein Leben auf etwas ausrichten und sich selbst besser verstehen zu wollen.

Aber ist die Hochsensibilität wirklich nur eine „nette Bezeichnung“ für überaus ausgeprägte Pingelchen und Sensibelchen? Für Leute, die sich anstellen und die Dinge gern einmal zu genau nehmen? Für Menschen, die sich einfach nicht anpassen wollen oder es bequem finden, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen?

OH NEIN! Hochsensibilität mag Vieles sein, aber das definitiv nicht.

Hochsensibilität als Ausrede?

Hochsensibilität ist weder eine Beschönigung noch eine Ausrede (sollte es zumindest nicht sein), weder Einbildung noch Anstellerei.

Wer hochsensibel ist, ist nicht einfach nur sensibel. Er ist viel mehr als das. Insbesondere wenn er nichts von seiner Hochsensibilität weiß, leidet er unter den vielen Reizen, die tagtäglich auf ihn einprasseln. Er kann nicht filtern, wird von links, rechts, oben und unten, von vorne, von hinten, von überall mit Sinnesreizen beschossen. Ungefiltert dringen die Reize auf ihn ein, seine Aufnahmekapazität ist schnell voll und das Gefühlsfass droht sekündlich überzuschwappen …

Sprüche wie „Stell dich nicht so an!“ oder „Du bist aber auch empfindlich!“ machen das Ganze auch nicht besser. Eher im Gegenteil: Hochsensible nehmen sich derartige und andere Aussagen oftmals noch viel mehr zu Herzen als andere Menschen. Das führt nicht selten dazu, dass sie sich zwingen, Dinge zu tun, die ihnen nicht guttun, dass sie ihre echten Gefühle überspielen und nach außen hin möglicherweise sogar kalt wirken.

Hochsensibilität im Alltag: Immer gleich?

Jeder Tag ist anders. Was heute funktioniert, kann morgen schon reinste Folter sein. Ein Kleidungsstück, das heute bequem ist und gut sitzt, kann sich morgen unerträglich anfühlen. Ein Gespräch, das heute völlig in Ordnung ist, kann morgen zu Tränen rühren. Ein Film, der uns heute nicht im Geringsten tangiert, kann morgen eine emotionale Achterbahn auslösen.

Natürlich gibt es einige Dinge, die uns (fast) immer überreizen, andere wirken hingegen nur gelegentlich als Trigger. Wer sich selbst gut kennt und seine Hochsensibilität ein wenig erforscht hat, weiß nach und nach immer besser, was er beachten und meiden, wobei er besonders gut auf sich aufpassen und acht geben sollte. Mit jedem Tag gelingt es besser, für sich selbst zu sorgen und die besten Voraussetzungen für ein einigermaßen entspanntes Leben mit Hochsensibilität zu schaffen.

Hochsensible Kinder: Erste Anzeichen für Hochsensibilität in der Kindheit

Schon als Kind bemerken viele hochsensible Menschen, dass sie „anders“ sind. Die ersten Anzeichen machen sich früh bemerkbar, werden jedoch nicht immer richtig gedeutet. Zumal es vor allem „früher“ auch einfach ein anderes Verständnis gab und der Blick eher vom „Problem“ weg- als daraufgerichtet wurde und auch heute noch wird.

„Probleme? Hat mein Kind nicht!“
„Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“
„Wenn’s bis zur Hochzeit noch weh tut, dann …“
„Andere machen das auch nicht!“

Meine Erfahrung, meine hochsensible Kindheit

Hätte ich früher gewusst, dass ich hochsensibel bin, hätte ich mich nicht ständig gefragt, warum ich anders bin als andere, warum ich so empfänglich für die vielen Dinge da draußen und hier drinnen bin. Warum ich Vieles einfach nicht vergessen kann, warum mich Dinge so sehr quälen, warum mich Dinge traurig machen. Warum meine Träume so furchtbar real sind, warum meine Fantasie so lebhaft ist. Warum ich so schüchtern bin, warum ich nicht mit der gleichen Leichtigkeit wie andere Kinder spielen, sprechen, tanzen, singen, leben kann …

Warum ich immer spüre, wenn jemand traurig ist, warum ich Dinge wahrnehme, die andere nicht einmal bemerken, warum ich einfach weiß, dass irgendetwas nicht stimmt. Warum ich leide, wenn jemand anders leidet, warum ich herzzerreißend schreie, wenn ein Tier gequält oder die Natur zerstört wird. Warum ich so „philosophische“ Gedanken habe, warum ich mir den Kopf zermatere und warum meine Gedanken einfach nicht aufhören wollen zu kreisen. Warum ich so oft nicht schlafen kann, warum mich Streitereien so mitnehmen, warum ich beim Sport so schnell Migräne bekomme. Warum ich den Druck nicht aushalten kann, warum ich verzweifelt Wege suche, um die unerträgliche Spannung in mir zu lösen. Warum … warum … warum …

Ich könnte diese Liste endlos fortführen, aber bringen würde mir das auch nichts mehr.

Fakt ist:

Ich wusste als Kind nicht, dass ich hochsensibel bin.

Hätte ich es gewusst, wäre vielleicht alles einfacher gewesen. Mag sein. Vielleicht hätte ich gewusst, warum all das so ist, wie es ist, warum ich bin, wie ich bin, und warum ich anders empfinde als andere.

Vielleicht aber auch nicht.

Vielleicht hätte ich mich auch dahinter versteckt und zu sehr geschont.

Wer weiß das schon?

Stärke für das HEUTE gewinnen: Hochsensibilität als Chance begreifen

Entscheidend ist doch, was ich heute daraus mache. Ich weiß inzwischen, warum es war, wie es war, warum ich bin, wie ich bin. Und genau das ist der Punkt. Ich weiß es heute, kann mich selbst auch rückwirkend annehmen und für mich selbst bestimmen, dass es okay ist, wie es ist. Ich habe meine „Trigger“ und „Schwächen“ erkannt, und gehe bestmöglich darauf ein. Ich plane meinen Alltag, damit er alles erfüllt, was ich brauche, lasse mir aber ebenso viel Raum für Flexibilität. Ich (er)lebe meine Hochsensibilität nicht länger als Einschränkung, sondern versuche sie als Bereicherung, Begabung und Chance zu verstehen. All die Möglichkeiten, die sich mir dadurch eröffnen, versuche ich mit Freude und Begeisterung anzunehmen.

Ich bringe Verständnis für mich selbst und andere auf und ärgere mich nicht mehr darüber, dass ich manche Dinge nicht so tun bzw. ausblenden kann wie andere. Ich bin mir bewusst, dass ich dafür unzählig viele andere Talente und Möglichkeiten habe, von denen andere vielleicht nur träumen können. Und genau darauf richte ich meinen Fokus. Ich entscheide mich jeden Tag aufs Neue dafür, meine Stärken zu sehen und meine Träume zu leben. Meine Bedürfnisse auf gesunde Weise zu erfüllen und mir immer wieder etwas Gutes zu tun. Dankbar für all das Schöne in meinem Leben zu sein, für all die Chancen und Wege, die sich mir eröffnen.

Gleichzeitig versuche ich aber auch, etwas zurückzugeben und anderen zu helfen. Mitgefühl zu zeigen, verständnisvoll zu sein und als Vorbild zu agieren. Ich bin schließlich nicht allein auf dieser Welt und das Universum dreht sich nicht nur um mich. Wir sind uns zwar selbst am nächsten, aber im Prinzip ist doch alles eins und alles gehört zusammen, auch wenn das sehr esoterisch klingt. Nur wer sich selbst wichtig, aber nicht zu ernst nimmt, und mit Freude, Leidenschaft und voller Dankbarkeit gibt und empfängt, wird meiner Meinung nach echtes Glück im Leben finden.

Und genau das wünsche ich mir auch für dich: Finde deinen Weg, finde dein Glück.

Lass Gefühle zu, sei du selbst und verbiege dich nicht für andere. Wenn du bist, wie du bist, und dich selbst auch so akzeptierst, brauchst du keine Bestätigung von außen, sondern bist dir selbst genug. Sobald du in dir ruhst (klingt auch sehr banal, aber es trifft es einfach) und nicht länger nach Perfektion strebst, wirst du das erreichen, was du dir wirklich wünschst.

Ich wünsche dir viel Erfolg und Spaß dabei! Wenn du dir auf deinem Weg Begleitung wünschst, frage gerne ein individuelles Coaching an oder schreib mir eine Nachricht.

Hinterlass mir auch gerne dein Feedback zum Artikel oder teile deine Erfahrungen mit deiner eigenen Hochsensibilität oder der eines Freundes, Familienmitgliedes, Bekannten oder Kollegen in den Kommentaren!

 
Feli Hoffmann Follow Your Dreams
 
 
 

Feli

 
 
 
 
 
 
 

Leave a comment

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.