10 Gründe, warum du dich NICHT selbstständig machen solltest

Und nun folgt der 2. Teil meiner Reihe über die Vorteile und Nachteile der Selbstständigkeit. In diesem Beitrag verrate ich dir die 10 größten Nachteile der Selbstständigkeit. Anhand der wichtigsten Gründe, die gegen eine selbstständige Tätigkeit sprechen, kannst selbst herausfinden, ob die Selbstständigkeit etwas für dich ist oder ob du lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten möchtest. Here we go, viel Spaß beim Lesen!

Die 10 größten Nachteile der Selbstständigkeit

1.) Du lebst in Unsicherheit

Sagen wir es, wie es ist: Als Selbstständiger lebst du vor allem in der Gründungsphase in permanenter Unsicherheit. Fixes Einkommen? Pustekuchen! Sichere Auftragslage? Eher nicht. Wissen, was morgen kommt? Ebenfalls Fehlanzeige. Wer nicht der Typ für ein unstetes Leben ist, sollte es schleunigst lernen, sich in unsicheren Lebenslagen zurechtzufinden, oder lieber die Finger von der Selbstständigkeit lassen.

2.) Du hast kein geregeltes Einkommen

Einhergehend mit Punkt 1 ist das unregelmäßige Einkommen. Du kannst nie wissen, was du in diesem Monat verdienst, was der nächste Monat bringt oder was in einem Jahr ist – es sei denn, du schließt mit verschiedenen Kunden feste Monats- oder Jahresverträge mit einer fixen Kündigungsfrist ab, die dein Grundeinkommen für eine Weile sichern.

Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Zahlungsmoral deiner Kunden: Auch wenn sie noch so zuverlässig wirken, kann es sein, dass sie die Zahlungsfrist auf deinen Rechnungen gekonnt ignorieren und dein Geld erst im nächsten oder übernächsten Monat auf deinem Bankkonto eintrudelt.

3.) Du hast keine regelmäßigen Arbeitszeiten

Ebenso unregelmäßig wie dein Gehalt können auch deine Arbeitszeiten ausfallen. Nine to five? Vergiss es! Wenn dir andere Selbstständige vorschwärmen, sie haben so ein locker-leichtes Leben, arbeiten nur 2-4 Stunden pro Tag und können super davon leben, ist das nicht unbedingt eine Lüge, aber du solltest dir bewusst machen, dass dieser Erfolg nicht über Nacht gekommen ist – und schon gar nicht direkt zu Beginn der Selbstständigkeit.

Vor allem in der Anfangszeit kann es sein, dass du 10-12 Stunden pro Tag ackern musst, um dir einen breiten Kundenstamm aufzubauen, Produkte zu erstellen, Konzepte zu erarbeiten, Organisatorisches zu erledigen und und und … Wenn du dich selbstständig machen möchtest, sollte dich viel Arbeit gerade in der Gründungsphase nicht abschrecken. Zweck der Übung ist schließlich, dass du tagtäglich das tust, was du liebst und was dir zu mindestens 75 % Freude bereitet.

Hast du den Sprung ins kalte Wasser erst einmal gemeistert und dich mit Hochdruck in die Nähe des Ufers gestrampelt, wirst du nach und nach die paradiesischen Früchte ernten können. Das bedeutet allerdings nicht, dass du dich darauf ausruhen solltest …

4.) Du bist Chef und Angestellter in Einem

Hast du in deinem Angestelltenjob hart gearbeitet, weil du es wolltest oder weil dich jemand dazu angehalten hat? Gab es den einen Vorgesetzten, Chef oder Kollegen, der deine Arbeit überwacht, kontrolliert oder zumindest eingefordert hat? Wenn ja, dann darfst du dich einerseits freuen, dass es diesen Typ Mitarbeiter in deinem eigenen Business nicht mehr geben wird. Andererseits solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du diese Rolle nun selbst übernimmst.

Du bist Angestellter und Chef in Einem. Das bedeutet: Du bist selbst verantwortlich für das, was du tust, du suchst dir deine Aufgaben selbst aus und priorisierst sie, bestimmst allein über Deadlines und Fortschritte, kontrollierst dich selbst, schickst Aufträge an deine Kunden raus, stellst Rechnungen, erledigst die Buchhaltung und und und …

Um das zu bewerkstelligen, ist nicht nur ein bisschen, sondern eine gehörige Portion Disziplin und Motivation sowie ein gutes Zeit- und Selbstmanagement nötig.

5.) Du bist eine eierlegende Wollmilchsau (oder reich)

Wie schon aus Punkt 4 hervorgeht, übernimmst du in der Selbstständigkeit viele verschiedene Funktionen und hast damit nicht nur den einen Job. Gerade am Anfang bist du Buchhalter, Unternehmer, Projekt-Manager, Organisator, Assistenz, Teamleiter, Qualitäts-Manager, Sales-Manager, Verkäufer, Praktikant, Auszubildender und Vieles, Vieles mehr.

Du musst dich ständig weiterentwickeln und Neues dazulernen, um deinen täglichen Pflichten nachzugehen. Außerdem solltest du auch mit großer Freude und Begeisterung Aufgaben erledigen können, die dir so gar nicht gefallen.

Solltest du über ein gewisses Budget verfügen und/oder dauerhaft stabile Gewinne erzielen, kannst du viele der oben genannten Tätigkeiten ausgliedern und delegieren, damit du Zeit für die Dinge hast, die dein eigentliches Einkommen bestimmen und die dir wirklich liegen. Ab wann sich diese Ausgaben auszahlen, wird dir dein innerer Buchhalter (oder ein guter Steuerberater) verraten, wenn es so weit ist.

6.) Du trägst die volle Verantwortung

Zu Punkt 4 und 5 gehört außerdem, dass du zumindest als Einzelkämpfer die volle Verantwortung für dein Business trägst. Du bist verantwortlich für das, was reinkommt, das, was rausgeht, deinen Ruf, dein Image, dein Standing. Du bist verantwortlich für Einkauf und Verkauf, für Einnahmen und Ausgaben, für dein Büro, für deine Buchhaltung, für mögliche Mitarbeiter …

Um es kurz zu machen: Du bist verantwortlich für alles. Selbst wenn du einen Steuerberater hast, der deine Buchhaltung und Steuern für dich macht, bist du es letzten Endes, der die Verantwortung dafür trägt und für mögliche Fehler geradestehen muss.

Schließt du dich mit jemandem zu einer GbR o.Ä. zusammen, teilt sich die Verantwortung natürlich auf, aber trotzdem kann sie unter Umständen schwer auf deinen Schultern lasten.

7.) Du arbeitest selbst und ständig

Ich bin zwar kein Fan von dieser „selbst und ständig“-Phrase, doch mitunter trifft sie einfach zu. Insbesondere in der Gründungsphase bist du vermutlich aktiver als jemals zuvor. Du hustlest, arbeitest, organisierst, planst, machst und tust. Freizeit? Privatleben? Kommt dann zwangsweise ein wenig zu kurz. Wenn du eine verständnisvolle Familie bzw. einen verständnisvollen Partner hast, kannst du dich glücklich schätzen.

Hierzu muss ich allerdings Folgendes sagen: Jeder bestimmt selbst, wie viel und wie lange er arbeitet und wie sehr er sein Privatleben mit dem Beruflichen verschmelzen lässt. Auch wenn du keinesfalls um Punkt 17 Uhr den Stift fallen lassen solltest, bist du selbst dafür verantwortlich, Pausen zu machen und dir Auszeiten zu nehmen, um Zeit mit deiner Familie, mit Freunden und Bekannten zu verbringen und deine Energiereserven wieder aufzufüllen.

8.) Du musst alles selbst zahlen

Um diesen Punkt kommen wir einfach nicht drumrum: Als Selbstständiger musst du alles selbst zahlen, das ist einfach so. Deine Ausgaben übernimmt kein Chef für dich, sondern du trägst sie ganz allein. Ob Flugticket zum nächsten Special-Event nach Las Vegas, Hotelzimmer für den bevorstehenden Messebesuch in Berlin oder Geschäftsessen mit einem vielversprechenden Interessenten: Du zahlst.

Besonders fies und abschreckend ist in diesem Zusammenhang das Thema Krankenkasse. Im Angestelltenverhältnis macht man sich normalerweise kein Bild davon, wie hoch die Kosten für die Krankenkasse tatsächlich ausfallen, da der Arbeitgeber die Hälfte der Summe trägt. Siehst du den Beitrag dann schwarz auf weiß, den du als Selbstständiger monatlich an die Krankenkasse entrichten musst, bekommst du vermutlich einen riesigen Schrecken. Glücklicherweise werden die Beträge abhängig von deinem Einkommen bestimmt und inzwischen zahlen einige Krankenkassen auch rückwirkend etwaige Differenzen zurück, wodurch es sich wenigstens ein wenig besser anfühlt.

9.) Du hast keine gesetzliche Altersvorsorge mehr

Zu Punkt 8 passt auch das Thema Altersvorsorge. Während du als Angestellter automatisch einen bestimmten Prozentsatz deines Brutto-Gehalts in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst und dein Arbeitgeber nochmal den gleichen Prozentsatz oben drauf legt, musst du dich als Selbstständiger komplett selbst um deine Altersvorsorge kümmern. Bedeutet: Du musst noch mehr verdienen, um auf das Gehalt zu kommen, das du dir gern auszahlen möchtest, weil du die Summe für die Altersvorsorge noch on top rechnen musst.

Statt der bezuschussten Riester-Verträge, die Selbstständige nicht in Anspruch nehmen können, wird z.B. häufig der Abschluss einer RüRup-Rente empfohlen oder Fonds-gebundene Altersvorsorge-Bausteine. Ob das sinnvoll ist und ob es vor allem fürs Alter ausreicht, kann dir dein Finanzberater des Vertrauens vermutlich besser sagen.

10.) Du bist Einzelkämpfer

Social Media, Skype, E-Mail, WhatsApp und Co bilden zwar heute feste Bestandteile des Arbeitsalltags, doch physischen Kontakt zu anderen Menschen können sie nicht ersetzen. Gerade dann, wenn du ein Online-Business betreibst und ortsunabhängig arbeitest, hast du in der Regel keinen direkten Kundenkontakt und pflegst Kontakte höchstens per Telefon, Skype, WhatsApp oder E-Mail.

Was manche freuen dürfte, ist für viele Selbstständige gar nicht so leicht, vor allem, wenn sie an die Zusammenarbeit im Team, das gelegentliche Plaudern in der Büro-Küche und den Austausch in Team-Meetings gewöhnt sind. Je nachdem, wie gern du Gesellschaft hast, solltest du dir daher genau das Maß an Kontakten und Networking schaffen, das dir gut tut, das dich inspiriert und aufleben lässt.
 

Mein Fazit, meine Meinung

Das waren sie also, die aus meiner Sicht 10 größten Nachteile der Selbstständigkeit. Rate ich dir demnach davon ab, dich selbstständig zu machen?

Oh nein, definitiv nicht. Mein Wunsch für dich ist, dass du selbst herausfindest, ob die Selbstständigkeit etwas für dich ist.

Nicht jeder ist dazu geboren, aber jeder kann es lernen, selbstständig zu arbeiten. Wenn du jedoch überhaupt nicht das Bedürfnis verspürst, deinen Angestelltenjob an den Nagel zu hängen, dann lass dich auch nicht dazu drängen. Es geht schließlich um deinen Job und dein Leben, in dem nur du allein entscheidest, was du tust und was dich glücklich macht.

Solltest du allerdings mit dem Gedanken spielen, dich selbstständig zu machen, und noch unsicher sein, ob die Selbstständigkeit das Richtige für dich ist, ob du erfolgreich sein kannst und wie genau du das anstellen sollst, dann lass dir gesagt sein:

Du KANNST und WIRST es schaffen, wenn du es wirklich willst.

Gerne unterstütze ich dich auch durch ein individuelles Coaching & Mentoring dabei. Schau dazu einmal auf dieser Seite vorbei.

Feli Hoffmann Follow Your Dreams Und jetzt interessiert mich deine Meinung zum Thema: Würdest du dich selbstständig machen? Wenn ja, was reizt dich daran, wenn nein, was hält dich davon ab? Welche Erfahrungen hast du bislang mit der Selbstständigkeit gemacht – egal, ob du selbst oder bei anderen? Schreib es gerne in die Kommentare!
 
Feli Hoffmann Follow Your Dreams 
 
 
 
 
 
 

By |2018-08-02T15:13:45+00:00Juni 7th, 2018|Selbstständigkeit, Träume leben|4 Comments

4 Comments

  1. Klaus 20. Juni 2018 at 11:28 - Reply

    Hallo Feli,

    da habe ich vor längerer Zeit auch schon mal eine schöne Liste verfasst:
    https://www.existenzgruender-helfer.de/2013/08/21/10-gute-gruende-kein-existenzgruender-zu-werden-oder-doch/

    Da könnte man deine fasst anfügen …

    Gruß Klaus

    • Feli 20. Juni 2018 at 11:37 - Reply

      Hallo Klaus, das stimmt, das passt wie die Faust aufs Auge! 😀 Wir können uns ja gegenseitig ergänzen … 🙂 Liebe Grüße, Feli

  2. Hilke Barenthien 20. Juni 2018 at 15:03 - Reply

    Vielleicht liegt es daran, dass ie letzte Firma in der ich angestellt war, dauernd von Insolvenz bedroht war und das Geld nie pünktlich kam … Was meinen Job angeht hab ich mich nie so sicher gefühlt, wie als Selbstständige. Mir kann niemand kündigen 😉 Und dafür wann und ob mein Gehalt kommt, bin alleine ich verantwortlich.

    • Feli 20. Juni 2018 at 15:09 - Reply

      Hallo Hilke,

      das ist auch eine coole Sichtweise!! 😀 Wir sind genauso sicher und „flüssig“, wie wir es zulassen! 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Feli

Leave A Comment

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.